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Beim Meister kann davon ausgegangen werden, dass sich aufgrund seines langjährigen praktischen Übens und seiner daraus resultierenden Erfahrung ein hochentwickeltes Wissen und Können entwickelt hat. Dieses Wissen und Können darf sich jedoch nicht nur auf den praktischen Teil erstrecken, sondern muss auch auf geistige Inhalte erstrecken. Erst so besteht die Möglichkeit, dem Schüler allumfassende Kenntnisse zu vermitteln.

In Bezug auf  Budo kann muss jedoch auch gesagt werden,hervorrragender Techniker nicht gleichzeitig ein guter Meister sein muss, wenn er seine Erfahrung nicht weitergeben und vermitteln kann. Wissen kann der Meister aber nur weitergeben, wenn er sich auch die Fähigkeit der Führung und Anleitung angeeignet hat.

Dabei ist es wichtig, dass er die Schwächen und Stärken seines Schülers erkennt, denn nur ist ihm die Weitergabe des Wissens möglich. So wird ein Meister auch menschliche Schwächen akzeptieren können, wenn der Schüler bereits charakterliche Stärke bewiesen hat. Es wird aber eine strenge Führung nicht ausschließen, wenn dies der Sache dienlich ist und dazu beiträgt, den Schüler auf den richtigen Weg zu führen.  Für den Schüler ist von Wichtigkeit, seinem Meister auch zu vertrauen. Das bedeutet eine vorurteilsfreie Anerkennung und den Willen, Folge zu leisten.  Anfangs dürfte dies leicht fallen, da der Meister ja Vorbild ist. Es wird jedoch im Laufe der Entwicklung auch zu Situationen kommen, in denen der Schüler das Gefühl hat nicht beachtet, nicht gefördert zu werden und auf der Stelle tritt.  Erst dann zeigt sich, wie viel Vertrauen der Schüler in seinen Meister hat, denn erst jetzt beginnt die Bereitschaft sich führen zu lassen. Vorschnelle Entschlüsse, unangemessene Kritik oder Aufgabe wird das Meister-Schüler-Verhältnis dann recht bald auflösen.

Der Schüler muss zur Auffassung gelangen, dass sein Meister bemüht und in der Lage ist, ihn zu seinem Erfolg zu führen. Mit dem Wort "Vertrauen" besteht natürlich auch eine Beziehung zu dem Begriff "Treue". Dieser beinhaltet auch die Bindung an die Person des Meisters. Die Erfahrung zeigt, dass nach verhältnismäßig kurzer "Lehrzeit" der Meister feststellen kann, inwieweit sein Schüler den Anforderungen nachkommt und entspricht. Erfüllt der Schüler diese Anforderungen nicht, wird der Meister das Verhältnis beenden.

Der meist anzutreffende Grund für eine Distanzierung des Schülers von seinem Meister ist neben beruflicher und familiärer Art der, dass beim Schüler im Laufe der Jahre eine Änderung seiner Persönlichkeit erfolgte. Der nun fortgeschrittene Schüler beurteilt jetzt einige Dinge anders als sein Meister. Diese Situation ist durchaus natürlich, da jeder Mensch einen etwas anderen Charakter aufweist und Geschehnisse um ihn herum immer in seiner subjektiven Weise beurteilt. Zwei Menschen betrachten einen gleichen Vorgang immer auf unterschiedliche Weise. Differenzierte Betrachtungsweisen beinhalten in sich Gefahren für das Verhältnis und machen sich insbesondere auch dann bemerkbar, wenn der Schüler nun als Meister auftritt und sein Wissen auf seine Art wiederum an andere Schüler weitergibt. Die Abweichung vom Lehrschema des Meisters stellt im gewissen Sinne einen Vertrauensbruch dar und lässt die ersten Risse im Meister-Schüler-Verhältnis aufkommen. Von besonderer Wichtigkeit ist jedoch der menschliche Aspekt in diesem Verhältnis.

Zunächst erscheint einem Anfänger der Meister als eine Art Übermensch, der sein Fähigkeiten auf dem technischen und geistigen Gebiet einzusetzen weiß. Ein Mensch, zu dem man aufschaut, auch wenn es manchmal nur die Furch ist. Anfänglich entsteht eine gewisse Distanz zwischen Meister und Schüler. Der Meister scheint unnahbar zu sein. Nah, aber doch so fern. Der Schüler bemüht sich durch positives Verhalten und technischer Leistung auf sich aufmerksam zu machen. Wenn der Meister sich dem Schüler zuwendet, beginnt die untere Stufe des Meister-Schüler-Verhältnisses.

Im Laufe der Zeit entsteht durch das ständige Üben und Beisammensein eine enge persönliche, oft auch freundschaftliche Beziehung. Dabei lernt der Schüler auch den Meister in Bereichen kennen, die außerhalb des Budo liegen. Aufgrund dessen  löst sich die anfänglich vom Schüler empfundene und für ihn hemmende Ausstrahlung des Meisters.

Die Distanz zwischen Meister und Schüler verringert sich und verschwindet allmählich. Durch gemeinsame Erlebnisse und Gespräche lernt der Schüler auch das Umfeld des Meisters kennen, folglich auch seine positiven und negativen Eigenschaften. Übrig bleibt der Meister als Mensch mit überdurchschnittlichen geistig-menschlichen und technischen Fähigkeiten, aber auch mit allen menschlichen Schwächen und Stärken. Oft hat es sich in der Geschichte gezeigt, dass viele Schüler sich viel zu früh zu einem anderen Meister hingezogen fühlen, der für sie noch fremd erscheint, als ihrem bisherigen Meister beständig weiter zu folgen.

Diese veränderte Orientierung führt oft bedauerlicherweise zur Trennung.

Es war in früherer Zeit nicht verwunderlich, dass der Meister nicht von Beginn an alle technischen und geistigen Aspekte an die Schüler weitergab. Auch war es nicht verwunderlich, dass er für das Unterrichten der höheren Grade mehr Geld verlangte, da dies ja wesentlich anspruchsvoller war.

In einigen Schulen und Organisationen hat sich dies erhalten, man spricht allerdings hier vom Blackbelt-Club usw. Dies wird gerne als Geschäftemacherei in unserer heutigen Zeit betrachtet, entspricht jedoch durchaus traditionellen Hintergründen.

 In der heutigen Zeit hat sich hier vieles verändert, wer heute als Meister eine Schule führt, hat mit vielen Faktoren zu kämpfen, seien es Steuern, Mieten und sonstigen Kosten, die man früher nicht kannte. Auch waren die Ansprüche der Schüler früher anders, sie brauchten kein Gym, keine Sauna, kein luxuriöses Ambiente. Der Unterrich stand im Vordergrund nicht der Ort, an dem er stattfand.

Es wurde dem Meister nicht geneidet oder negativ angekreidet, dass er für den Unterricht Geld verlangte, er brauchte keine Ausreden, keine Umwege über Organisationen, Vereine etc. um wieder an seinen Lohn zu kommen. Durch die heutigen Strukturen der Verein, dem Überangebot und des Trainings zu Dumpingpreisen, da es ja nur noch um Befriedigung irgendwelcher Profilneurosen geht, oder um Wettkampferfolge ist vieles verändert worden. Man spricht vom Trainer, vom Fighter, vom Coach, nimmt Begriffe wie Sensei und Meister in den Mund, ohne jedoch zu wissen, was dies eigentlich bedeutet.

Bei den Meistern der Kampfkünste ist das Zusammenspiel von Bezahlung und Leistung besonders deutlich zu erkennen. So war es üblich, dass der Schüler für besondere Techniken zusätzlich zahlen musste. So wird beispielsweise berichtet, dass O-Sensei Morihei Ueshiba, als Schüler bei Meister Takeda, 50 Yen für eine besondere Technik bezahlte. Diese Verhaltensweise der Meister ist bei genauer Betrachtung durchaus verständlich. Die von Ihnen häufig gleichfalls durch Bezahlung erworbenen oder selbst von ihnen entwickelten Techniken waren ihr Kapital, von dem sie sich und auch ihre Familien ernährten. Mit den von ihnen entwickelten Techniken oder Stilrichtungen gelang es, sich von den anderen Meistern zu unterscheiden und auch abzuheben. Nur dieser Umstand versprach ihnen den ständigen Zulauf von neuen Schülern, die wiederum eine regelmäßige Einnahme für den Lebensunterhalt garantierten. Bis heute war es in der Regel üblich, dass ein Meister mehrere Schüler hatte. Nur in seltenen Fällen trafen ein Meister und nur ein Schüler zusammen. In diesem Verhältnis fällt sofort die dominierende Stellung des Meisters auf. In seinem Fachbereich ist er es, der bestimmt. Jedoch bilden beide Personen eine Einheit, die nur bestehen kann, wenn beide miteinander harmonisieren. Fällt nun der Schüler aus der Einheit heraus, kann der Meister kein Lehrer mehr sein. Sein über Jahre oder Jahrzehnte erworbenes Fachwissen und Können kann nicht weitergegeben werden. Das Wissen des Meisters geht verloren. Das Können und Wissen versiegt mit dem Tod des Meisters . Für den Schüler gilt im umgekehrten Verhältnis auch: fällt der Meister aus der Einheit heraus, kann der Schüler nicht zu dem angestrebten Wissen gelangen. Für den Schüler ist die Einheit weitaus wichtiger, weil er ohne den Meister auf dem Weg des Lernens nicht weiterkommen kann. Ihm fehlt die praktische Anleitung in der Technik sowie in den geistigen Inhalten. Er kann alleine nicht den rechten Weg finden. Ihm fehlt die Hilfe, die es ihm ermöglicht zu unterscheiden, was ist richtig und was bedeutsam ist.